Asylstatistik 1. Halbjahr 2018

Die Zahl der in Österreich gestellten Asylanträge ging im ersten Halbjahr 2018 weiter zurück. Zuletzt gab es 2011 so wenige Asylansuchen. Unbegleitete Minderjährige aus Afghanistan, die seit Jahren eine bedeutende Gruppe innerhalb der AsylwerberInnen gestellt hatten, kommen derzeit kaum mehr nach Österreich.

Asylanträge: Minus 41 Prozent gegenüber letztem Halbjahr

Von Jänner bis Juni 2018 wurden in Österreich 7.098 Asylanträge gestellt. Davon waren 6.079 (86%) erstmalige Asylanträge, 1.019 (14%) Anträge waren von Personen, die vorher bereits einmal ein Asylverfahren in Österreich durchlaufen haben. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2017 ging die Zahl der Asylansuchen um 44% zurück, gegenüber dem 2. Halbjahr 2018 um 41%.

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Weniger als 1.000 monatliche Asylanträge

Die Zahl der monatlichen Asylanträge sank im Juni 2018 erstmals seit langem unter 1.000. Weniger Asylansuchen gab es zuletzt im April 2011. Seit 2001 wurden nur in 28 Monaten weniger, in 181 Monaten hingegen mehr Anträge gestellt als im Juni 2018.

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Hauptherkunftsländer: Syrien und Afghanistan

Die meisten Asylsuchenden kamen wie schon in den Vorjahren mit deutlichem Abstand aus Syrien und Afghanistan. Im Vergleich zu 2017 nicht mehr unter den Top-10-Herkunftsstaaten vertreten ist die Ukraine, neu darunter ist hingegen Georgien.
Georgische Staatsangehörige dürfen seit dem Frühjahr 2017 visumsfrei in die EU einreisen. Nach einem Anstieg der Asylanträge von GeorgierInnen am Jahresende 2017 und in den ersten Monaten 2018 sind die Zahlen mittlerweile allerdings wieder rückläufig.

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Zwei Drittel der Asylsuchenden aus Asien

67% aller Personen, die 2018 einen Antrag auf Asyl gestellt haben, sind Staatsangehörige asiatischer, 17% afrikanischer und 12% europäischer (Europa inkl. Russland und Türkei) Herkunftsstaaten. Würde man die Türkei und die staatenlosen Personen (sind häufig PalästinenserInnen) auch noch zu Asien zählen, käme Asien auf 71% aller Asylanträge.

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Kaum mehr UMF aus Afghanistan

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) aus Afghanistan bildeten seit Jahren eine bedeutete Gruppe unter den AsylwerberInnen in Österreich. Im November 2015 stellten damals sogar 1.092 einen Asylantrag (das waren mehr als aktuell im Juni 2018 überhaupt Asylanträge in Österreich gestellt wurden). Seit März 2018 wurden nun aber nie mehr als 10 Asylansuchen von afghanischen UMF eingebracht, im Juni 2018 war es sogar nur ein Einziger.

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Mehr Kinder und Jugendlich als Erwachsene

Bezüglich der demografischen Zusammensetzung der AsylwerberInnen gibt die Asylstatistik des BMI nur wenig Aufschluss. 59,6% der Personen, die bisher 2018 einen Asylantrag gestellt haben, sind männlich, 40,4% weiblich.
Aufschlussreicher sind hier die Statistiken von Eurostat, die sowohl nach Altersgruppen als auch Geschlecht differenzieren. Hier zeigt sich, dass der Anteil von männlichen Erwachsenen seit 2014 deutlich abgenommen hat, jener der weiblichen zuletzt eher konstant geblieben ist, die Zahl der Minderjährigen jedoch stark zugenommen hat. Im Mai 2018 wurden 58% der Asylerstanträge von bzw. für minderjährige Personen gestellt.

Anmerkung: In dieser Grafik wurden nur die Asylerstanträge (und keine Mehrfachanträge) berücksichtigt. Daten für Juni 2018 sind bei Eurostat noch nicht verfügbar.

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Weniger Schutzgewährungen

7.446 Personen wurde im 1. Halbjahr 2018 Asyl gewährt, 2.426 subsidiärer Schutz und 796 ein humanitärer Aufenthaltsstatus. Hochgerechnet auf das ganze Jahr bedeutet das einen Rückgang von ca. einem Drittel bei den Schutzgewährungen. Gestiegen ist hingegen die Gesamtzahl der rechtskräftig negativen Entscheidungen.

Anmerkung: „Sonstige Entscheidungen“ sind v.a. Verfahrenseinstellungen. Unter den negativen Entscheidungen sind auch Entscheidungen zu Asylanträgen enthalten, die wegen Zuständigkeit eines anderen EU-Mitgliedsstaats zurückgewiesen wurden. Diese Personen könnten aber durchaus Gründe für Asyl oder subsidiären Schutz gehabt haben.

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Am meisten Asylgewährungen für SyrerInnen und AfghanInnen

2.714 SyrerInnen und 2.337 AfghanInnen erhielten bisher 2018 Asyl in Österreich. Zusammen machen sie zwei Drittel aller Asylanerkennungen aus. Subsidiärer Schutz wurde am öftesten Personen aus Afghanistan gewährt. Insgesamt erhielten afghanische Staatsangehörige allerdings deutlich öfter Asyl als subsidiären Schutz.

Das Geschlechterverhältnis bei den Asylgewährungen ist ausgeglichen, subsidiärer Schutz wurde mehr männlichen als weiblichen Personen gewährt.

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Asylchancen für Hauptherkunftsländer sehr unterschiedlich

Während 90% aller Asylentscheidungen bei SyrerInnen, 79% bei Staatenlosen und 72% bei IranerInnen positiv endeten, waren es bei Pakistan nur 4%, bei Nigeria 1% und bei Georgien gab es überhaupt keine positive Asylentscheidung. Dazwischen liegen Somalia (49% positive Entscheidungen), Afghanistan (48%), Russland (33%) und der Irak (29%). Insgesamt wurden 46% der Verfahren mit einer Asylgewährung, 42% mit einer Ablehnung und 12% mit einer sonstigen Entscheidung abgeschlossen.

Anmerkung: Bei dieser Statistik ist zu beachten, dass nur Asylentscheidungen, nicht aber die Zuerkennungen von subsidiärem Schutz oder humanitärem Aufenthalt, berücksichtigt sind.

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Mehr offene Verfahren in 2. wie in 1. Instanz

Während die Zahl der offenen Asylverfahren beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (1. Instanz) seit Jahresbeginn von ca. 32.000 auf 16.000 zurückging, stiegen im selben Zeitraum die beim Bundesverwaltungsgericht (2. Instanz) anhängigen Verfahren von etwa 24.000 auf mittlerweile 30.000 an. Damit sind nunmehr fast doppelt so viele Asylverfahren in 2. wie in der 1. Instanz offen.

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Kein Resettlement

Nachdem zwischen 2013 und 2017 ca. 1.900 Flüchtlinge über humanitäre Aufnahmeprogramme nach Österreich gekommen waren, wurden 2018 keine Personen mehr über Resettlement (direkte Aufnahme von Flüchtlingen aus Erstaufnahmeländern, z.B. Jordanien) in Österreich aufgenommen.

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Aktuelle Asylstatistiken:

 

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